Landart-Spiele in der Natur

Fotos: Beatrice Volkmer

„Oh, super! Da braucht man ja gar nicht mehr das ganze Spielzeug mitschleppen“, kommentiert die siebenjährige Elisabeth spontan beim Durchblättern des vor ihr liegenden Buches. Es handelt sich um „Landart-Spiele in der Natur“ erschienen 2013 im AT Verlag. Kenner des Verlages dürfen sich einmal mehr über eine überzeugende Ästhetik, klare Gliederung und schöne, großformatige Fotos freuen. In diesem Buch werden 45 Spielideen in und mit der Natur vorgestellt.

Inspiriert ist das Buch von allem, was in der Natur, manchmal direkt vor der Haustür, vor sich geht. Je nach Jahreszeit laden Blüten, Blätter, Äste, Sand, Muscheln, Federn, eine unerschöpfliche Vielzahl an Naturschätzen zum Spielen ein. Niemand mag sich einen Urlaub am Strand ohne Sandburgen vorstellen, doch wie wäre es zur Abwechslung mit dem afrikanischen Spiel „Awalé“? Man braucht nicht mehr als zwei parallele Reihen aus sechs Kuhlen, dazu achtundvierzig Samen oder kleine Muscheln und schon kann’s losgehen. Die genaue Anleitung steht im Buch.

Unsere kleine Expertin findet jedoch gleich das erste Spiel am coolsten: Federn-Funde in ein Knäuel aus Gras, Flechten, Moos und Ähnlichem stecken – und fertig ist das Flugobjekt, das nun, vom Wind getrieben, über die Wiese sausen kann. Nicht alle Spiele lassen sich indes so einfach herstellen. Beim „Sieben Familien“- Spiel, einer Art Quartett, braucht es etwas Geduld beim Sammeln und sicher auch die Unterstützung von verspielten Erwachsenen. Dafür ist das Ergebnis nicht nur sehr hübsch, sondern auch einfach spielbar und sicher am Ende ein Stolz seiner Hersteller.

Neben diesen einfachen und schnellen Vorschlägen finden sich auch komplexe, zerbrechliche, die mehr mit Landart als mit Spielen zu tun haben. Ein Schachbrett aus Schnee, eine Riesenspirale aus bunten Herbstblättern, flüchtige Kunstwerke, die vom Zauber des Augenblicks leben.

Nein, man muss wirklich nichts mitnehmen, wenn man draußen spielen, entdecken und Spaß haben will. Und man muss auch nichts nach Hause schleppen. Außer vielleicht ein paar Fotos zur Erinnerung oder zum Weiterspinnen an neuen, eigenen Ideen. | Edith Schwarz

Landart-Spiele in der Natur
Marc Pouyet
AT Verlag, 2013
ISBN 978-3-03800-555-1
34,90 €
Blick ins Buch: at-verlag.ch

Zum Autor: Marc Pouyet studierte Grafik in Paris und arbeitete in der Gebrauchs- und Werbegrafik. Er gestaltete unter anderem viele Kinder- und Jugendspiele. Als bildender Künstler widmet er sich vor allem dem Thema Natur: mit der Gestaltung von Landart-Objekten, Kunstworkshops für Kinder und Erwachsene und vielen anderen Aktivitäten im Rahmen des Themas.

Inspiriert zogen wir bei schönstem Herbstwetter Richtung Havelwiese an der Fähre und probierten einige Spiele aus. Wir mussten nicht lange nach passenden Materialien suchen. Als Erstes entstand eine Kugelbahn aus herumliegenden Rindenstücken. Die Früchte einer Platane dienten als Kugeln. Auch für das nächste Spiel (Foto oben rechts) brauchte es nicht viel Material: „Mu Torere“ ist ein strategisches Spiel für 2 Spieler, erfunden von den Maori in Neuseeland. Jeder Spieler benötigt dafür 4 gleiche Spielsteine und als Spielfeld dient ein achtzackiger Stern.

Vom Spiel- und Sammelfieber gepackt, haben wir uns auch gleich ein eigenes Spiel ausgedacht. Viel Spaß beim Nachmachen wünschen Edith Schwarz & Beatrice Volkmer!

Spielanleitung „Bunter Herbst“ (mittleres Foto oben)
Welche Vielfalt an Farben und Formen der Herbst zu bieten hat, lässt dieses einfache Spiel erkennen. Das Spiel ist für 3 Spieler gedacht, kann aber nach Belieben ausgeweitet werden. Zunächst sucht man zusammen 9 schöne Unterlagen. Das können Rindenstücke, aber auch schöne große Blätter oder anderes sein. Diese werden zum Spielfeld arrangiert und jeder darf sich 3 Unterlagen aussuchen. Nun startet das Spiel. Ziel ist, jede der Unterlagen mit unterschiedlichen herbstlichen Fundstücken zu belegen. Von jeder Sorte sollten es mindestens 3 Stück sein. Auf keiner Unterlage darf das gleiche liegen. Man muss also auch seine Mitspieler immer im Auge haben. Gewinner ist, wer als erster seine „Teller“ befüllt hat.

Written by BV